00:02
Das ist Psychologie to go. Herzlich willkommen.
00:10
Hallo, hier ist Psychologie2go und mein Name ist Franca Cerruti. Ich bin von Beruf Psychotherapeutin und ich gehe mir manchmal selber auf die Nerven. Ich nerve mich selber, wenn ich hastig eine verärgerte WhatsApp schreibe. Ich nerve mich selber, wenn ein Paket ankommt und ich noch nicht mal mehr weiß, was ich bestellt habe. Und ich nerve mich vor allen Dingen, wenn ich wieder besseren Wissens und obwohl ich das überhaupt nicht will, eins meiner Kinder anschreie, weil es irgendwie mit mir durchgeht.
00:40
Naja, dass du eines der Kinder anschreist, das habe ich ja nun wirklich extrem selten nur erlebt.
00:44
Ja, zum Glück, aber wenn das passiert, dann finde ich es auch besonders scheiße. Lass uns heute mal über Impulse sprechen und wie man sie vielleicht besser in den Griff bekommen kann. Hallo Schönheit!
01:00
Hallo du Impulshafte! Mein Name ist Christian Weiß, ich bin Fahrrat für Psychiatrie und Psychotherapie.
01:05
Findest du mich wirklich impulshaft?
01:08
Du bist ein bisschen impulshaft, durchaus, ja.
01:11
Aber ich finde, das ist ja auch nicht nur schlecht.
01:14
Das ist auch nicht nur schlecht, aber es kann schlecht sein. Und genau davon reden wir ja. Wenn wir eine kurze, schnelle Idee haben, irgendetwas tun, eine Handlung folgt und wir bereuen sie danach. Und mit ein bisschen Pech machen wir das immer wieder.
01:32
Ja, machen, bereuen und genauso wieder machen. Das ist ja so ein bisschen das, was mit den Impulsen so passiert. Man findet es hinterher richtig blöd, was man gemacht hat, aber in der Sekunde, wo man es tut, erscheint einem das wie alternativlos.
01:48
Die Impulse und Schwierigkeiten, die zu kontrollieren, begegnet uns nicht nur im normalen Alltag, sondern es ist auch uns schon öfter mal in der Klinik beispielsweise begegnet. Da war diese Frau, ungefähr 40 Jahre alt, die offenbar ein ziemlich starkes impulshaftes Verhalten gezeigt hat. Sie ist losgezogen, sie hat sich aus einer Laune heraus Klamotten gekauft, die sie sich eigentlich vielleicht gar nicht hätte leisten können. Sie ist in Hotelzimmer gefahren, hat da Spa-Tage gemacht.
02:18
Was hat sie gesagt?
02:19
Spa-Tage.
02:20
Spa-Tage.
02:21
Du weißt schon, Spa, Sana per Aqua.
02:24
Ja, jetzt weiß ich.
02:25
Sie hat Streits mit ihrem Mann gehabt und wenn ich mich richtig erinnere, hat sie sogar sehr spontan Sachen aus dem Hotelfenster geworfen.
02:34
Ja, aber das ist ja jetzt dann mehr als nur impulsiv. Also spätestens bei dem Randalieren im Hotelzimmer würde ich ja mal vermuten, dass da solche Art Impulsdurchbrüche doch eher eingebettet sind in ein größeres Erkrankungsgeschehen.
02:49
Und so ist es auch. Da kommen wir gleich dazu. Ich erinnere mich auch an einen anderen Fall. Das war ein Herr Ende 50. Und bei ihm war die Geschichte, dass er sich Sachen eingesteckt hat. Wenn er und seine Frau bei anderen zu Besuch waren, hat er Kleinigkeiten einfach so vom Sideboard eingepackt.
03:10
Ich verstehe.
03:11
Sich die Hosentasche gesteckt. Er hat es dann später auch in Geschäften gemacht. Oha.
03:18
Und im Verlauf fiel dann auch auf, dass er so Sachen rausgepoltert hat. Sehr impulsiv einfach Leuten gesagt hat, was er von ihnen hält. Auch mal ein Schimpfwort losgeworden ist. Obwohl er eigentlich sonst immer ein recht kontrollierter Mann war.
03:32
Wie alt war er?
03:33
Ende 50.
03:35
Okay, ich verstehe, worauf du hinaus willst. Also es gibt verschiedene Arten von Impulsen. Du hattest jetzt Geld ausgeben genannt. Du hattest Klauen genannt. Du hattest in der Interaktion polternd oder ein bisschen Distanz gemindert zu sein genannt. Aggression hattest du genannt.
03:52
Ja, und wenn ich darf, fällt mir auch direkt noch was ein. Und zwar war das ein Patient, das kann ich auch schon sagen, er hatte eine Parkinson-Erkrankung und er hat angefangen zu spielen. Es war eine Parkinson-Erkrankung mit relativ frühem Beginn und er hat Online-Poker gespielt im Internet und hat dann sehr viel Geld verloren und war offensichtlich auch nicht so richtig in der Lage, das zu stoppen.
04:18
Ja, okay. Also was du sagst, ist Impulsivität kann sich in verschiedensten Lebensbereichen zeigen. Und dann gibt es jetzt natürlich noch eine Impulsivität, die jetzt weniger bedrohlich oder disruptiv ist oder aggressiv ist, sondern einfach, wie ich gerade selber gesagt habe, dieses zum Beispiel Leute unterbrechen mitten im Satz, weil man denkt, man weiß ja sowieso schon, was sie sagen oder worauf sie hinaus wollen. Diese Art von, ich sage jetzt mal milderer Impulsivität.
04:45
Oder ganz spontan irgendwo hinfahren, in einen Urlaub. Oder ein neues Projekt beginnen.
04:50
Oder ein Haustier adoptieren.
04:52
Einfach mit einer mini kurzen Zeit vom Gedanken zur Handlung. Und jetzt Werbung.
04:59
Hier kommt eine kleine Unterbrechung, um kurz über gleich zwei Themen zu sprechen, die mir persönlich so ein Rieseln auf der Gehirnhaut verursachen. Das eine ist das Thema Zahnarzt und das andere ist das Thema Gesundheitskosten. Und ich glaube, damit bin ich nicht ganz alleine. Also gerade wenn es um das Thema Zahnarzt geht und um Zahnersatz oder die Krone, die gemacht werden muss oder die Zahnspange für die Kinder oder die Keramikfüllung, dann ist das ja nicht nur ein Thema, das wir gerne ein bisschen aufsteigen, schieben, sondern wo wir auch die Kosten zu Recht manchmal ein bisschen unangenehm finden, weil die gesetzliche Krankenkasse in vielen Fällen nur einen Teil der Kosten übernimmt, wenn überhaupt.
05:40
Und der Eigenanteil ist erheblich. Netterweise hat sich die Stiftung Warentest die Mühe gemacht, mal herauszufinden, mit welcher Zusatzversicherung man da am besten fährt. Und zum elften Mal in Folge ist die Deutsche Familienversicherung mit ihrem DFV Zahnschutz Testsieger bei der Stiftung Warentest geworden und zwar nicht mit einer 1, sondern die Bestnote ist sogar 0,5. Ich wusste überhaupt nicht, dass es das gibt. Keine andere Zahnzusatzversicherung ist so oft ausgezeichnet worden.
06:14
Und je nach Tarif bekommt man bei der DFV Zahnschutz zum Beispiel eine hohe Kostenübernahme beim Zahnarzt, teilweise bis zu 100 Prozent. Du bekommst bis zu 200 Euro jährlich für eine professionelle Zahnreinigung und die Zahnspangen werden für Kinder und auch für Erwachsene Es gibt einen Sofortschutz ohne Wartezeit und außerdem werden keine Gesundheitsfragen gestellt. Das heißt, dass der Versicherungsschutz direkt startet, ohne lange Vorbedingungen. Ich finde das total beruhigend zu wissen, dass ich bei der Zahnarztbehandlung nicht auf allen möglichen hohen Eigenanteilen sitzen bleibe.
06:47
Und gerade auch mit drei Kindern ist das ein echter Kostenfaktor. Auch organisatorisch ist das super gelöst. Man kann die Rechnung nämlich einfach unkompliziert über die App der Deutschen Familienversicherung einreichen. Und je nachdem, für welchen Tarif ihr euch entscheidet, seid ihr schon mit 9,10 Euro monatlich dabei. Aktuell könnt ihr zusätzlich einen 30 Euro umsetzen.
07:06
Amazon-Gutschein bekommen, wenn ihr den Link benutzt, www.bester-zahnschutz.de slash p2g. Also da steht für Psychologie to go. Ich sage das nochmal, www.bester-zahnschutz.de slash p2g. Alles kleingeschrieben. Wenn ihr euch dafür interessiert, findet ihr Alle Details und auch diesen Link nochmal wie immer in der Folgenbeschreibung unter dieser Podcast-Folge.
07:37
Und gerade im Hinblick auf Zahngesundheit denken wir leider häufig erst daran, wenn es eigentlich schon ein bisschen zu spät ist. Deshalb kann das ganz sinnvoll sein, sich da rechtzeitig drum zu kümmern, bevor aus kleinen Löchern oder schiefen Zähnchen große Kosten entstehen.
07:53
Werbung Ende
07:57
Dann möchte ich aber direkt, bevor wir auf diese eher schwierigen Fälle zu sprechen kommen, für Impulse sozusagen eine Lanze brechen. Impulse sind ja nötig und die sind auch wichtig. Und das sind einfach auch, ja, manchmal sehr schnelle, aber manchmal auch sehr kraftvolle Reaktionen, oft aus unserem Innersten. Das muss ja nicht nur schlecht sein.
08:23
Nein, ganz offensichtlich. Wenn sich etwas evolutionär über letzten zwei Millionen Jahre so entwickelt hat, kann das nicht nur schlecht sein. Aber wir wollen ja auch darüber sprechen, wie man Impulse etwas schlauer und etwas besser möglicherweise kontrollieren kann.
08:37
Bei mir ist das häufig in Kontext mit kreativen oder produktiven Sachen. Mir springt eine Idee in den Kopf und dann beginne ich auch schon direkt damit. Und ja, das geht manchmal zulasten anderer Dinge, die ich eigentlich vorhatte und geht auch manchmal nicht so sortiert vonstatten. Aber diese Art von Impulsen, die so mit Kreativität oder einfach auch Selbstausdruck oder wie du es nennen möchtest, einhergeht, finde ich jetzt gar nicht so dramatisch. Da fühle ich mich einfach zu irgendetwas hingezogen. Impulse sind ja letztlich eine Handlungsvorbereitung und das gibt mir dann den Schwung, das auch zu tun.
09:12
Schuhe anziehen, rausgehen, irgendwas besorgen, was ich jetzt brauche, in Schuppen gehen, Werkzeug suchen, was auch immer und dann fange ich halt an. Dafür brauche ich doch den Impuls, oder nicht?
09:23
Ja, na klar. Vielleicht klären wir das auch noch ein bisschen genau, damit wir auch wissen, worüber wir reden und worüber wir nicht reden. Bei einem Impuls ist es immer so, dass irgendetwas dich zieht, sei es deine Idee oder die Vorstellung, wie das dann sein wird. dass sich ein innerer Druck aufbaut. Manchmal ist der spürbar, manchmal ist der ganz klein. Und dass im Grunde genommen dein Körper schon dabei ist, loszulegen. Wir haben gestern mit einem Vierjährigen zusammen am Tisch gesessen. Stimmt. Und du hattest etwas Schokolade. Er war ganz lieb. Er hat vorher die Schokolade, die wir ihm gegeben haben, geteilt.
09:55
Und dann hatte er aber selber noch Schokoladenhunger.
09:59
Und den Impuls zu deiner zuzugreifen und die Hand ging eben schon in die Richtung. Also der dritte Teil eines Impulses ist, dass im Grunde genommen die Bewegungsplanung schon dabei ist ausgeführt zu werden.
10:13
Ja, ich verstehe. Sein Pfötchen schwebte so über meinem Teller.
10:19
Das war sehr süß und offensichtlich ist ihm aber ja die Impulskontrolle dann noch gelungen. Er hat also nicht direkt zugegriffen, sondern die Hand ist dann so wie über meinem Teller erstarrt.
10:30
Fantastisch, dass du das sagst, weil übrigens das dazugehört. Wenn ich darf, erzähle ich das gleich. Ich möchte es ganz kurz abgrenzen vom Reflex.
10:38
Man könnte ja meinen, ein Impuls ist ein Reflex, aber das darf man nicht verwechseln. Ein Reflex, den teilen wir in der Medizin, in der Neurologie immer in sogenannte Eigen- und Fremdreflexe. Eigenreflex kennst du. Das ist zum Beispiel der Kniesähenreflex. Also was der Arzt so prüft, wenn er dir aufs Knie haut und das springt dann so hoch. Das ist monosynaptisch, heißt das. Da gibt es nur eine Synapse. Das ist eine Nervenzelle, die geht zu deinem Rückenmark.
11:03
Ja.
11:04
Und dort wird es auf die andere Nervenzelle umgeschaltet und zurück in dein Bein.
11:09
Das heißt, was da gemacht wird, ist, der Muskel wird gedehnt und reflektorisch wird er zusammengezogen. Blitzschnelle Sache. Das ermüdet nicht und da bist du gar nicht dabei. Du bist zwar bei Bewusstsein, aber diese Bewegung wird vom Bewusstsein überhaupt nicht begleitet.
11:27
Und wie ist das, wenn du mit der berühmten Hand auf die berühmte Herdplatte packst? Das ist ja auch ein reflexhaftes Zurückziehen.
11:34
Ja, das ist ein sogenannter Fremdreflex. Und da ist die Verdrahtung nicht so sehr direkt, sondern du musst erst einen Schmerz haben. Das wird dann in deinem Hirn kurz verarbeitet und geht auch blitzschnell, dass du die Hand zurückziehst. Aber das Organ, wo was passiert und das, was darauf reagiert, muss nicht das Gleiche sein. Das ist ein Fremdreflex.
11:55
Und das ist aber auch fest miteinander verbacken. Dein Bewusstsein guckt dabei zu, ist aber auch nicht in dem Sinne involviert. Bei einem Impuls ist aber tatsächlich eine Handlungsabsicht schon dabei. Und ein Impuls ist Ich-Synton. Das heißt, es ist etwas, von dem du weißt, dass es zu dir gehört. Und zumindest ein Teil von dir das will.
12:18
Ja, ich wollte gerade sagen, ist ja nicht jeder Teil begeistert. Also du hattest ja auch Beispiele genannt, wo jemand zum Beispiel etwas klaut oder wo Menschen übermäßig viel kaufen oder wo Menschen aggressive Impulse haben, wo sie laut werden oder gemein oder sogar körperlich übergriffig. Und da muss man sagen, da gibt es ja wohl hoffentlich hinterher mehr als einen Anteil, der das eben auch nicht cool findet.
12:43
Und das sind vor allem die Impulse, über die wir sprechen wollen, die am Ende einen Leidensdruck oder Reue erzeugen.
12:50
Und da kann man sich ja vieles vorstellen. Also es werden ja tatsächlich ganz verschiedene Dinge als impulsiv bezeichnet. Das eine ist zum Beispiel, wenn jemand auf negative Gefühle mit Impulsen reagiert. Stichwort Frust einkaufen, Frust essen oder auch einen richtigen Wutausbruch hinlegen.
13:09
Das ist so eine Art von Impulsiv. Du sagst es, der Wutausbruch aus dem Gefühl? Ja. Ja, und dann platzt es. Und dann platzt es. Genau.
13:19
Aber es gibt doch auch sowas, wie dass jemand aus einem positiven Gefühl heraus sowas macht wie, yeah, eine Runde für alle und gar nicht bedenkt, dass 400 Personen anwesend sind und eine Runde pro Person 3,50 Euro kostet und dann denkt, ach shit.
13:34
Ja, absolut. Absolut.
13:37
Auch das ist was, was impulsiven Menschen passieren kann.
13:42
Und dann gibt es Impulsivität oder dass du einem spontanen Handlungsimpuls folgst, auch ohne besondere emotionale Auslenkung, sondern du tust etwas komplett ohne Plan. Einfach mal losfahren.
13:56
Ja, das fühle ich.
13:58
Ja, ohne zu wissen, wie viel im Tank ist, ohne zu wissen, welche Richtung, ohne zu wissen, welche Tageszeitung, was man sonst noch so braucht.
14:05
Ja.
14:06
Und es gibt impulshaftes Verhalten manchmal für den Nervenkitzel.
14:10
Ja.
14:10
Es gab dazu übrigens interessante Untersuchungen, bei denen am Rande rausgekommen ist, dass Menschen, die selber von sich sagen, sie sind impulsiv oder sind nicht impulsiv, objektiv, so weit man es messen konnte, gar nicht so waren, wie sie dachten. Ja.
14:25
Es kommt aber vielleicht auch eben darauf an, an welchen Bereich man da gerade so denkt. Also wenn ich mir impulsiv als so etwas übersetze in meinem Kopf wie spontan, flexibel, lebenslustig oder so, dann würde ich schon sagen, ich bin impulsiv. Wenn du aber sagst, nee, ich meine aber mit impulsiv, dass du zu riskantem Autofahren neigst, aggressive Ausbrüche hast und mit Geld nicht umgehen kannst, dann würde ich natürlich denken, ach so, nee, nee, die Art impulsiv bin ich wirklich überhaupt nicht. Und es scheint ja so zu sein, dass Menschen in einzelnen Bereichen Probleme haben, bestimmte Impulse zu kontrollieren.
15:03
Das heißt aber nicht, dass sie allumfassend impulsiv wären oder gar sowas hätten wie eine sogenannte Impulskontrollstörung, die dann wirklich auch klinisch relevant sind und auf jeden Fall in Behandlung gehören können. Aber lass uns auch nochmal dahin gucken, was ein Impuls nicht ist, was aber so ähnlich aussehen kann. Und da denke ich jetzt insbesondere an Zwang.
15:25
Das heißt Zwangshandlungen vor allen Dingen.
15:27
Manche Leute haben ja ein starkes inneres Drängen, bestimmte repetitive Handlungen zum Beispiel immer wieder auszuführen oder bestimmte Dinge neu zu durchdenken oder so. Das wäre dann halt kein Impuls, sondern das fällt in die Zwangsstörung.
15:45
Und das ist aber auch übrigens ein großes Missverständnis, weil ja genau Menschen mit einer Zwangsstörung, die zum Beispiel aggressive oder sexuelle Zwangsgedanken haben, ja genau die Befürchtung haben, das wäre sowas wie ein Impuls und eine Handlungsvorbereitung. Also Menschen mit Zwangsgedanken haben ja genau die Befürchtung, dass diese drängenden, unangenehmen und in dem Fall ich dystonen Gedanken im Grunde sowas ausdrücken wie, oh Gott, ich bin so kurz davor, das zu tun.
16:16
Das ist bei Zwangsgedanken genau nicht der Fall. Bei Impulsen schon. Impulse sind tatsächlich eine Handlungsvorbereitung, die man aber manchmal besser stoppen sollte.
16:27
Und es ist so schwierig, das im eigenen Kopf zu unterscheiden. Das macht es auch so unangenehm und erzeugt so einen Leidensdruck dabei. Und Franka, du kennst auch den Ausdruck, wenn jemand sagt, das habe ich im Affekt gemacht. Das wirkt ja auch wie ein Impuls, ist es im Grunde genommen auch, ist aber nicht das, was wir jetzt besprechen. Denn wenn ich sage, ich habe was im Affekt gemacht, dann ist dem immer eine längere Vorgeschichte vorausgeschickt. Für gewöhnlich dreht es sich ja da um irgendwelche frustraten Erlebnisse, irgendwo wo sich Wut aufbaut.
16:57
Und normalerweise ist es da eine Geschichte, wo Emotionen sich vermehren und aufstauen. Und das kann sogar sehr lang sein. Also Affekt ist lange Geschichte, kurze Explosion. Impuls ist nur die schnelle Handlungslust, würde ich sagen.
17:13
Aber auch schwierig von der Definition her, weil das ja bedeuten würde, jeder Impuls wäre irgendwie lustbetont. Ist das so?
17:19
Nein, aber du spürst ja den kleinen Druck, diese Welle in dir drin. Im Affekt brechen dagegen Gefühle völlig aus. Es gibt sowas, das nennt sich Affektschuldung. Sturm, das ist auch ohne kontrollierendes Bewusstsein, das ist in der Rechtsprechung auch relevant, ob jemand im Affekt Sturm gehandelt hat, weil er unter Umständen dann so etwas wie mildere Umstände oder eine andere Bewertung der Situation bekommt.
17:45
Das Spannende bei uns Menschen ist, dass wir im Grunde genommen die ganze Zeit verschiedenste Impulse haben. Wenn ich sage, ein Impuls ist wie so eine kleine Welle, dann ist unser Tag eigentlich so, als würde man die ganze Zeit über so eine Buckelpiste fahren. Ständig gibt es irgendwelche Impulse. Ständig hast du irgendeinen Gedanken, der dich zu irgendeiner Handlung verleiten will.
18:06
Ja, also interessant ist vielleicht die etymologische Herleitung. Das kommt vom lateinischen Begriff impellere. Und das bedeutet anstupsen oder anstoßen. Und so ist es ja auch irgendwie. Wenn man so durch den Tag, wie du sagst, rotiert, vielleicht wie ein bisschen eine kleine Flipperkugel. Und ein Impuls ist ein handlungsvorbereitender, aktivierender Zustand, bevor eine Abwägung stattgefunden hat. Also du bist auf irgendwas aufmerksam geworden. Du spürst eine Handlungsbereitschaft, eine kleine Motivation dahingehend.
18:42
Das geht alles sehr, sehr schnell und ist häufig überhaupt nicht bewusst, sondern wirklich eher so vorbewusst. Und wenn dann nicht irgendeine Form von Selbstkontrolle greift oder du eben über ein Hinspüren und Nachdenken zu dem Schluss kommst, keine gute Idee, dann machst du das halt.
19:02
Genau, dann bricht der Impuls durch und du handelst danach. Ja, wie du sagst, wir sind ja ständig mit irgendwelchen Reizen aus der Außenwelt konfrontiert und diese Reize werden unbewusst schon bewertet und kommt irgendwas auch nur ansatzweise Interessantes dabei raus, wird es an die Stelle in deinem Gehirn geleitet, wo die Handlung entstehen soll. Und jetzt musst du die ganze Zeit hemmen. Du musst, wir müssen, unser Gehirn muss immer auf die Bremse treten. Das passiert den ganzen Tag. Man hat hunderte Impulse.
19:31
Ja.
19:32
Und das eigentliche Tun liegt in der Hemmung, nicht im Tun.
19:37
Ach so, du sagst, also wenn wir schon wie so eine kleine Flipperkugel durch unseren Alltag titschen und hier und da Impulse haben, ist eigentlich der größere Job des Gehirns, das alles immer wieder einzufangen.
19:47
Genau.
19:47
Und zu sagen, mach das nicht. Besser don't. Nee, das ist jetzt nicht dran. Oder grundsätzlich nicht so zu begrüßen. Oder kriminell.
19:57
Mach es alles nicht. Mach es nicht, ja. Und Und wenn diese Hemmung, das ist zumindest ein Weg, wie Impulse rauskommen können, die gar nicht rauskommen sollten, also zur Handlung werden, die gar nicht Handlung werden sollten, wenn diese Hemmung weniger wird, dann kann das ein Problem sein. Du bist in einem Kaufhaus, in einem großen und du siehst was zu essen, dann möchtest du das essen.
20:21
Das ist dein erster Impuls. Du möchtest da hin. Du möchtest das haben. Du möchtest es essen.
20:25
Bist du sicher? Ist das allgemein gültig?
20:27
Das ist für mich gültig auf jeden Fall. Aber es gibt genug Hörerinnen und Hörer, die mir folgen können. Da bin ich sicher. Du gehst aber auch an etwas zum Kaufen vorbei. Sei es eine Klamotte, sei es ein Surfboard. Ist egal.
20:42
Haben wollen.
20:42
Haben wollen. Dein erster Impuls ist kaufen.
20:45
Ja.
20:46
Du wirst es aber nicht essen, weil du dann kontrollierst, ah, bin schon satt. Oder weil dein Hirn dir sagt, kann ich mir nicht leisten. Du wirst dir auch das Surfboard nicht kaufen, weil du weißt, dass du die nächsten zwei Jahre gar nicht ans Wasser kommst. Aber das passiert erst im zweiten Schritt. Zuerst der Impuls, dann denkst du drüber nach.
21:04
Also du empfindest im weitesten Sinne so etwas wie eine Appetenz, also eine Hingezogenheit und das gilt für diese Art Impulse wie kaufen, essen, spielen, aber auch stehlen. Also dieses im weitesten Sinne haben wollen, einverleiben wollen, besitzen wollen.
21:23
So. Ja, unter anderem, deswegen gibt es doch Schaufenster. Deswegen liegt Essen in der Auslage, also unter anderem. Aber es soll uns auch eine gewisse Lust darauf machen. Es soll einen Impuls auslösen. Und die Spielautomaten standen ja auch so prominent wie irgend möglich und so laut und so blinkend wie irgend möglich in unseren Sichtfeldern. Weil man weiß, dass das funktioniert... Und das Glücksspiel letztendlich keine gute Idee ist. Deswegen musste man es ja auch staatlich regulieren, damit diese Impulse nicht so stark ausgelöst werden.
21:56
Deswegen sind Spielstätten jetzt foliert. Man kann gar nicht mehr reingucken. Man sieht die Automaten nicht.
22:01
Ja, okay, aber dann gibt es ja auch noch diese ganz anderen Impulse, nämlich zum Beispiel jemanden anschreien, jemandem eine blöde WhatsApp nachts um drei schreiben, jemandem auf der Autobahn von der linken Spur drängeln. Das ist ja eine andere Art von Impulsen, die werden ja nicht durch so eine Art Appetenz ausgelöst.
22:21
Ja, das ist ein anderer Weg. Das ist eher ein Weg über die Amygdala. Da geht es um Kränkungen, Frustration, um Wut. Alles, was eher so Kampfverhalten anstacheln könnte, was schlechte Gefühle auslöst. Aber auch diese frustranen, schlechten Gefühle, das ist auch evolutionär bedingt, führen zu dem Wunsch, eine Handlung zu vollführen, damit man sie los wird. Gut, das ist eher das gezogen werden, gute Gefühle bekommen oder schlechte Gefühle loswerden. Und ob aus diesen Impulsen eine Handlung wird oder nicht, das bestimmt nun mal die Hemmung verglichen mit der Stärke des Impulses.
22:56
Das heißt, für gewöhnlich starker Frust löst mehr Handlungsimpuls aus und braucht auch mehr Hemmung.
23:02
Ja.
23:04
Unten eine schwache Kränkung löst nicht so viel Handlungsimpuls aus und muss nicht so stark gehemmt werden. Und überwiegt das eine das andere, also überwiegt der Impuls die Hemmung, dann kommt es zur Handlung.
23:16
Kann man sich also vorstellen wie eine Art Wippe?
23:18
Ja, beteiligt dabei sind über ein sehr komplexes System verschiedenste Neurotransmitter, unter anderem körpereigene Opioide, sehr viel Dopamin auf einem sehr komplizierten Weg über verschiedene Rezeptoren an verschiedenen Stellen, allerdings auch Serotonin. Auch Serotonin ist daran beteiligt, an der Modulation der dafür wichtigen Nervenzellen.
23:42
Und das erklärt aber jetzt ja auch vielleicht, warum in den allermeisten Fällen bestimmte und zwar verschiedene Arten von Impulsen zu beobachten sind. Zum Beispiel das typische Dazwischenquatschen, Rausplatzen oder manchmal auch intime Geschichten ein bisschen unpassend ausbreiten vor Menschen, die es vielleicht nichts angeht. Das wäre jetzt zum Beispiel typisch bei ADHS.
24:09
Ja.
24:10
Während was du berichtet hast über die Frau, die viel Geld ausgibt und Spa-Tage hat, da würde ich vielleicht eher nachfragen weiter Richtung Manie eventuell.
24:25
Ja, und das war auch so. Der Fall, den ich da berichtet habe, verfälscht natürlich, war eine Patientin mit einer Bipolarenstörung, die in einer manischen Phase dann zu uns kam.
24:36
Okay, und dann war der endfünfzigjährige Mann, der jetzt plötzlich anfing, Sachen mitgehen zu lassen. Was war das für ein Impuls? In welchem Kontext war der zu verstehen?
24:47
Man kann sich vorstellen, dass die Hemmung unserer Impulse in bestimmten Hirnregionen sitzt. Eigentlich ist das alles im Netzwerk, aber mit Gewichtung. Die Gewichtung in dem Fall liegt vorne rechts.
25:00
Vorne rechts im Kopf? Ja. Präfrontal.
25:02
Und präfrontal. Für gewöhnlich auf der rechten Hirnseite. Und das war das Zeichen eines frühen Beginns einer speziellen Art von Demenz, nämlich einer frontotemporalen Demenz, sogenannte Picturedemenz. Da nimmt die Hirnsubstanz im frontalen Teil, also hinter der Stirn, ab. Und daher reduziert sich auch die Hemmung, die man aufbringen kann. Und deswegen wurde als frühes Zeichen bei ihm gesehen, dass ihm Sachen gefallen haben, die er gesehen hat.
25:31
Und dann hat er sie einfach eingesteckt, weil die Hemmung nicht mehr geklappt hat. Genau. Bei der Piction Demenz ist es ja aber auch so, dass die Menschen häufig auf eine ganz unangenehme Art und Weise übergriffig plötzlich werden.
25:42
Ja, im weiteren Verlauf.
25:44
Also sexuell auch übergriffig, dass sie dann irgendwie Pflegekräfte angrapschen und sowas. Das ist auch im Kontext der nicht mehr ganz funktionierenden Hemmung zu verstehen. Exakt.
25:54
Das ist nicht unbedingt bei jedem so. Es kommt noch ein bisschen darauf an, wo die Appetenz hingeht. Und es ist, wenn man das akademisch betrachtet, natürlich insofern interessant, als dass wir dann sehen können, wie wir ständig von Impulsen, auch derartigen, da möchte ich hin lang Impulsen, bombardiert sind den ganzen Tag und wie wir sie hemmen müssen. Das heißt, hätte niemand diese Hemmung, würde ich das bei jedem machen, egal welchen Alters, dann würde man einfach machen, was man in dem Moment machen will. Und offensichtlich will man das viel machen.
26:28
Und das Zusammenleben funktioniert nur, weil man es hemmen kann.
26:32
Ja, also Impulse können schön sein, aber Impulse kontrollieren zu können ist für ein taugliches Zusammenleben wichtig.
26:42
Und dann hatten wir noch den Patienten mit der Parkinson'schen Erkrankung. Und bei Morbus Parkinson ist es häufig so, dass man über die Jahre die Medikation eskalieren muss. Das heißt, man kann zu Beginn noch relativ leichte Medikamente geben und wird im Verlauf sehr häufig aber zu, Achtung, Dopamin übergehen müssen.
27:05
Die Parkinson'sche Erkrankung ist ja dadurch gekennzeichnet, dass es einen relativen Dopaminmangel gibt. Zu wenig Dopamin. Das führt bei den Betroffenen übrigens dazu, dass die Bewegungen nicht mehr so ausladend sind, sondern klein sind, es weniger Spontanität gibt, dass auch die Mimik nicht mehr so lebendig ist.
27:20
Also, jetzt gibst du Dopamin, dann kann das die Symptome ganz gut behandeln. Und bist du jetzt ein bisschen drüber in der Dosierung mit Dopamin, was habe ich vorhin gesagt, das macht ja die Impulse, dann übersteigt die Impulshaftigkeit möglicherweise deine Hemmung. Und deswegen hat er angefangen zu spielen.
27:40
Ach, er war der Glücksspieler.
27:42
Ja. Und hier gibt es eine Art, ich sage mal, Farbverlauf oder Uneinigkeit auch in der Wissenschaft und den Beweis, dass wir mit unseren menschgemachten Kategorien manche Dinge nicht so gut fassen können. Glücksspielsucht gehört jetzt in die Süchte der neuen ICD, in der neuen Klassifikation und war vorher eine Impulskontrollstörung. Ja.
28:07
Also das ist jetzt wirklich akademisch interessant, vielleicht für diejenigen, die sich gerade auf eine fachärztliche oder wie Approbationsprüfung vorbereiten. Da hat es einen Wechsel gegeben von der ICD-10 auf die ICD-11. Das, was vorher als Impulskontrollstörung gegolten hat, nämlich Glücksspiel, ist...
28:28
zu den Verhaltenssüchten gewandert und noch eine vormals als Impulskontrollstörung bezeichnete Erkrankung, nämlich Trichotillomanie und Dermatillomanie. Also das heißt, dass man so an Haut und Haaren knibbelt und rupft und die Haare ausreißt und so. Das ist zu den Zwangserkrankungen gewandert.
28:50
Das heißt, es gibt auch immer wieder eine neue Nachdenklichkeit über diese Schnittstelle aus zwanghaftem, süchtigem und impulshaften Verhalten. Und das zeigt sich darin, dass das jetzt in der ICD-11 ein bisschen anders aussieht.
29:04
Wir bilden eben, und das ist durchaus sinnvoll, mit unseren Kategorien starre Schubladen. Menschen sind aber weiche, wabernde und dynamische, je nach Tagesform, unterschiedliche Wesen. Oder die Seele von uns ist so. Und sowas lässt sich halt extrem ungern und auch sehr schlecht in eine starre Schublade pressen.
29:25
Auch die Dynamik spielt dabei eine Rolle. Zeigst du immer wieder das gleiche impulshafte Verhalten, hast du auch einen Lerneffekt. Der ist auch schon hirnanatomisch im Grunde genommen, wenn auch mikroanatomisch, theoretisch sichtbar zu machen. Denn machst du immer wieder das Gleiche, wachsen Nervzellen nun mal fester miteinander zusammen. Und dieser Weg mit fest zusammengewachsenen Nervenzellen, der geht sich fürs Gehirn einfach leichter und lässt sich schlechter auflösen. Deswegen ist es häufig mit dem, ich weiß, es ist nicht gut, das so und so zu machen, Nicht getan.
29:57
Ja, auch mit dem Hinterher-Es-Bereuen ist es halt häufig nicht getan. Das ist ja was, was wir immer wieder beobachten, gerade bei der Art von Impulsen, die sich wie auch immer eher negativ auswirkt, entweder auf einen selbst oder auf das Miteinander mit anderen Menschen. Dass es einem hinterher leidtut, macht nicht automatisch die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass es... nochmal und nochmal und nochmal passiert, insbesondere wenn diese Art von Impuls, wie du gerade gesagt hast, schon vielleicht über Jahre gebahnt war.
30:28
Ja, es kann sogar sein, dass zu große Scham, zu großes Bedauern, das einen so richtig emotional trifft und mitnimmt, kontraproduktiv wirkt. Denn wie gut wir unsere Impulse hemmen können oder wie stark sie sind, ist natürlich auch eine Frage des Kontextes und des Zusammenhangs.
30:48
Ja, also ich verstehe, worauf du hinaus möchtest. Wenn jemand sich selber stark verurteilt oder vielleicht in so eine Selbsthass-, Selbstabwertungskaskade kommt, kann das genau tragischerweise eben dieses innere Gefühl aufblähen, was sich dann letztlich wieder in einem Impuls entlädt. Also diese typische Kaskade aus, ich fühle mich total schlecht, Ah, da ist was Süßes zu essen, ich esse das, ich fühle mich ganz kurz wohl, danach werte ich mich dafür ab, weil ich jetzt das schon wieder gegessen habe, eigentlich wollte ich es besser machen, eigentlich wollte ich nicht mehr so viel Süßes essen oder abends oder nachts essen und das baut wieder den Druck auf, der diesen entlastenden Impuls wiederum begünstigt.
31:36
Ja, worauf man sich ganz gut verlassen kann, ist, dass das Erfüllen des Impulses eine kurze, wenn auch nur eine sekundendauernde Entlastung bringt. Kurz ein gutes Gefühl. Denn du hattest ja vorher Druck. Du hattest ja inneren Druck. Das ist, was der Impulsdruck sozusagen macht. Und in dem Moment, wo du nachgibst, wo die Handlung ausgeführt wird, ist das eine kurze Druckentlastung.
31:57
Aber dann kommt ja eben, wie du gerade gesagt hast, mit den zweiten Gedanken häufig auch eine Bewertung, manchmal eine moralische Bewertung hinzu und genau die, und das meintest du gerade, wenn man das mit der Reue und dem Schlechtfühlen übertreibt, kann den Druck wieder erhöhen.
32:13
Ja.
32:14
Es gibt andere Dinge, die den richtigen oder klugen Umgang mit Impulsen auch beeinflusst. Beispielsweise eine rein körperliche Ebene, nämlich Schlaf. Das ist auch relativ gut untersucht. Menschen, die zu wenig geschlafen haben, im Vergleich zur gut geschlafenen Kontrollgruppe, haben größere Schwierigkeiten, Impulse zu hemmen. Und zwar sowohl diejenigen, die mit einem guten Gefühl oder mit einem schlechten Gefühl einhergehen, als auch diejenigen, die über die Amygdala laufen und etwas mit dem Alarmsystem Wut oder Frust zu tun haben.
32:49
Also sowohl die Appetenz getriggerten Impulse als auch die Affekt getriggerten Impulse hat man besser im Griff, wenn man besser schläft.
32:57
Das meine ich, ja, danke. Und was man sich sehr gut vorstellen kann, ist natürlich auch Einfluss von Drogen, speziell Alkohol. Wenn wir dazu kommen, erklären wir ja öfter, dass Alkohol den Effekt hat, dass es unser Frontalhirn, also genau da, wo die Hemmungen sitzen, Es lässt es so fallen und deswegen kommt, was darunter liegt, eben auch die Impulse, stärker zum Tragen. Es gibt aber noch einen zweiten Effekt und der besteht darin, das ist recht neu untersucht, dass sich der Blick im Alkoholrausch verengt.
33:33
Das, was ich damit meine, ist, dass nur noch sehr prominente, sehr auffällige Außenreize durchkommen zu dir. Die bekommst du aber durchaus mit. Und du kannst dich noch zusammenreißen und du kannst dich hemmen, auch im Alkoholrausch, wenn der Reiz oder die Bedrohung sehr deutlich ist. Du kriegst nur den Rest nicht mehr mit. Du kriegst keine Andeutungen mehr mit. Du kriegst nicht mehr mit, was in deinem peripheren Gesichtsfeld passiert.
33:59
Also deine Impulse beziehen sich auf das, was überhaupt noch in deinen vernebelten Kopf hineingeht und die werden dann schlechter gehemmt?
34:06
Ja. Stell dir vor, du bist betrunken. Bitte stell dir nicht vor, du bist betrunken mit dem Auto unterwegs. Aber du weißt, es gibt Menschen, die betrunken Auto fahren.
34:14
Ja.
34:14
Die werden in ihren Impulsen, wenn sie von der Polizei angehalten werden, durchaus gehemmt. Die versuchen durchaus, sich zusammenzureißen oder das Richtige zu sagen oder jetzt nicht handlungsdurchbrüchig zu reagieren.
34:27
Ja.
34:27
Alles andere um sich herum, während sie fahren beispielsweise, das kriegen sie nicht mehr mit.
34:30
Ja, verstehe.
34:32
Übrigens ist das auch eine ganz interessante Erkenntnis, wenn man sich den Umgang anschaut von Menschen, die sehr betrunken sind und warum das sozial teilweise nicht mehr gut funktioniert und vor allen Dingen nicht Betrunkene mit nüchternen Menschen.
34:46
warum das total unangenehm auseinanderläuft. Weil der Nüchterne natürlich verschiedenste Dinge in seiner Umwelt noch mitschneidet und der Betrunkene nur noch ganz geradeaus nur noch diese eine Sache. Der andere Betrunkene, der ihm gegenüber sitzt.
35:00
Ja, ja.
35:03
Des Weiteren, und man kann sich das aus dem Kontext von dem, was wir vorher gesagt haben, schon denken, ist es natürlich hilfreich, in einer relativ euthymen, sagen wir, Stimmungslage zu sein. Das heißt, eine weder niedergedrückte noch besonders euphorische Stimmungslage.
35:19
Weil einige Impulse sich vor allen Dingen bei Frustration bahnbrechen. Und klar, wenn man also seine Stimmung gemanagt hat und sich gar nicht in so einer wackeligen Stimmungslage befindet, dann kann man allen möglichen Versuchungen auch besser widerstehen. Allen möglichen Versuchungen, Verlockungen, aber auch Entgleisungen.
35:40
So ist es. Und hier kann man auch verstehen, warum Menschen, die zum Beispiel unter einer Depression leiden, zwar auf der einen Seite einen häufig gestörten Antrieb haben. Man könnte jetzt erstmal von einer Dopaminreduktion ausgehen. Das heißt, die Lust, etwas zu tun, überhaupt Appetenz zu entwickeln. Appetenz für Lust gehört ja zu den Symptomen. Überhaupt Appetenz zu entwickeln, das ist alles reduziert. Ist das aber nicht so, dann merkt man, dass auch die Hemmung reduziert ist. Auch jemand mit einer schweren Depression neigt eher dazu, dem Impuls, wenn er denn hochkommt, nachzugeben.
36:16
In der Gesamtheit führt das häufig dazu, zu etwas, was wir nicht selten sagen. In seelischen Ausnahmesituationen empfehlen wir keine weitreichenden Entscheidungen zu treffen.
36:26
Ja, der Impuls, die Beziehung zu beenden oder den Job zu kündigen, könnte halt nicht so eine günstige Idee sein, mittel- und langfristig.
36:38
Und mir fällt noch was ein. Also wir hatten jetzt gesagt, ausgeschlafen zu sein, nicht betrunken, Euthymer Stimmungslage und nicht gelangweilt sein ist auch ganz günstig. Ich habe nämlich eine spannende Untersuchung gelesen. Also es wird ja im Moment immer so das Loblied der Langeweile gesungen und angeblich sollen wir uns alle mehr langweilen. Und das stimmt auch insofern, als durch Langeweile unser sogenanntes Default Mode Netzwerk anspringt, was unter anderem Kreatives Denken und sowas befördert alles gut, aber gelangweilte Menschen neigen dazu, richtig dummen Impulsen zu folgen, zum Beispiel sich selber Stromstöße zu verabreichen.
37:22
Ja, wirklich. Jedenfalls gab es Untersuchungen auch, wo Menschen sich hart gelangweilt haben und dann haben die angefangen in so einer Versuchsvorrichtung vermeintlich. Das ist nicht wirklich passiert, aber die Versuchsteilnehmenden dachten, dass sie hätten jetzt Maden geschreddert und so. Also man muss sagen...
37:41
Da kommen dann auch nicht so schöne Impulse zutage. Und wenn jetzt gerade alle sagen, Mensch, die Kinder müssen sich auch mal langweilen, gebe ich zu bedenken, dass Langeweile auch zu sadistischen oder selbstverletzenden Impulsen führen kann, denen wir dann nichts mehr entgegensetzen. Weil Hauptsache wir erleben irgendwas.
38:01
Das ist ein bisschen der Teil, der mit Sensation Seeking einhergeht. Also wir sind so gebaut, dass wir auch immer ein bisschen Sensation haben wollen.
38:12
Bevor wir jetzt zu den ganz konkreten Tipps kommen, wie man Impulse etwas besser kontrollieren kann, sollten wir vielleicht aber noch kurz beleuchten, welche richtigen Erkrankungen mit einer Impulskontrollstörung einhergehen. Und da gibt es schon mal zwei spannende Dinge. Das eine ist Pyromanie. Fast jeder hat schon mal davon gehört. Also die Lust daran oder den unbändigen Wunsch, Feuer zu legen.
38:39
Ja, das gehört nach wie vor in der ICD-11 zu den Impulskontrollstörungen. Kurios daran ist aber, dass ja in Wirklichkeit, also wenn wir uns jetzt wirklich mal Straftatbestände angucken von Menschen, die Feuer gelegt haben... das überhaupt nicht impulshaft ist.
38:57
In den allermeisten Fällen ist das geplant oder im Rahmen einer anderen Erkrankung oder in einer ganz anders gelagerten, nachvollziehbaren Motivlage.
39:07
Das heißt, warum das immer noch bei den Impulskontrollstörungen verortet ist, ist uns nicht ganz klar. Und ein bisschen so ist es auch mit der sogenannten Kleptomanie. Die ist auch immer noch bei den Impulskontrollstörungen verortet. Allerdings macht sie unter allen verzeichneten Ladendiebstählen, also bei allen Menschen, die schon mal was geklaut haben, unter 5% aus. Also es ist jetzt auch nicht so, dass die meisten Menschen, die stehlen, das deshalb machen, weil sie unter einer Impulskontrollstörung leiden würden.
39:42
Das gibt es, aber es ist nicht so häufig und da gilt das Gleiche. Für viele Diebstähle ist ganz schön viel Planung, ganz schön viel Kontrolle und auch ganz schön viel Selbstbeherrschung und all das notwendig, was eigentlich genau nicht für einen spontanen Impuls spricht.
39:59
Bei der Kleptomanie geht es meistens auch um nicht so wertvolle Gegenstände. Und auch das fällt dann eher in den Bereich von Sensation Seeking. Es geht um den Akt, es geht nicht um das sich aneignen. Und bei der Pyromanie, wie du gesagt hast, da haben wir sogar versucht, Statistiken zu finden, aber die können nicht erzeugt werden, weil es zu wenige Menschen gibt, die die Diagnosekriterien erfüllen. Man hat in Finnland, wo wir ja einen Bezug zu haben, 90 Wiederholungsbrandstifter, also Wiederholungsbrandstifter, nicht nur beim ersten Mal, 90 Wiederholungsbrandstifter untersucht und nur drei von denen haben die Kriterien für eine Pyromanie erfüllt.
40:40
Das heißt, selbst beim wiederholten Brandlegen waren es nur drei.
40:44
Und das hatte nichts mit gestörter Impulskontrolle zu tun.
40:48
Der Begriff ist vielen Menschen geläufig, in der Realität kommt es kaum vor.
40:53
Aber dann gibt es ja auch noch eine ganz andere Art von Impulsen, nämlich die aggressiven Impulse und auch aggressive Impulsdurchbrüche. Die gibt es als Symptom, als eins von vielen Symptomen auch bei anderen übergeordneten Störungsbildern, zum Beispiel bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ. Das gibt es aber auch, wie du schon gesagt hast, bei Menschen mit einer Manie oder bei Menschen, wo etwas Hirnorganisches vorliegt. Aber das gibt es auch als einzelnes eigenes Störungsbild und zwar die sogenannte intermittierende, explosive Störung.
41:32
Und die ist letztlich dadurch gekennzeichnet, dass jemand in einem vollkommenen Missverhältnis, also unverhältnismäßig zu einem kleinen Anlass, komplett eskaliert, also völlig ausrastet und zwar so sehr, dass er hinterher selber häufig fassungslos ist.
41:53
Und genau diese Ausraster wiederholen sich.
41:57
dass man mal im Leben, vielleicht sogar ein paar Mal im Leben, extrem sauer ist und von mir aus rumschreit oder sogar irgendwas gegen die Wand wirft. Das gehört, glaube ich, ins Normale. Wenn man in so einem Zustand handgreiflich gegen jemand anderen wird, dann ist das zwar zu verurteilen, bleibt aber erstmal auch noch im Normalbereich. Der Punkt, der so richtig pathologisch wird, der ist, wie du sagst, durch das Missverhältnis.
42:26
Ja, es ist eine Diagnose, die ich tatsächlich in über 20 Jahren Berufstätigkeit noch nie vergeben habe, weil die Voraussetzung für die Diagnose einer solchen Impulskontrollstörung ist, dass das Verhalten nicht durch eine andere Störung wie Manie oder Sucht oder Hirnorganik oder irgendwas besser erklärt sein darf. Ja.
42:51
In den allermeisten Fällen in der Klinik war es bei uns für gewöhnlich bei solchen Fällen eine dissoziale oder antisoziale Persönlichkeitsstörung. Und auch deswegen ist die Forschung dazu und auch die Literatur und die Studienlage ein bisschen uneinheitlich weltweit.
43:09
Also eine Kategorie in der Pyromanie, die es so gut wie nicht gibt, Kleptomanie, die nicht so häufig ist, wie man meint und explosibles Ausrasten. Wenn das die Kategorie ist, ist es irgendwie auch eine komische Kategorie.
43:25
Ja, es ist vielleicht ein bisschen eine Verlegenheitsdiagnose beziehungsweise eine Ausschlussdiagnose. Aber man muss das ja irgendwie benennen können, wenn man sonst nichts findet. Und tatsächlich gibt es das. Worauf man sich heute geeinigt hat, ist, wenn jemand nur verbale Gewalt häufiger als zweimal in der Woche über einen längeren Zeitraum zeigt oder innerhalb eines Jahres drei große Ausbrüche, wo mindestens einmal auch Gewalt entweder gegen Dinge oder gegen Personen im Spiel war und sonst keine andere Erkrankung, dann spricht man von dieser intermittierenden, explosiblen Impulskontrollstörung.
44:01
Und ich weiß, dass wenn man so sehr schwierig ist, oder gewalttätiges Verhalten in Diagnosen einsortiert, dass das auch gesellschaftlich auf Widerstand stößt, weil es das Gefühl gibt, man würde das entschulden. Und ein Stück weit stimmt das. Es ist eine Art von Entschuldigung, aber gleichzeitig bedeutet es auch, dass es keine Verlässlichkeit gibt, Das heißt, wenn man das nicht behandelt und das so bleibt, muss man damit rechnen, dass es wieder passiert und entsprechend müsste man Maßnahmen ergreifen.
44:33
Das ist auch so ein Missverständnis, das es häufig gibt, dass wenn jemand vor Gericht landet und denkt dann, er könnte sich durch eine psychische Erkrankung in irgendeiner Form behandeln, in Anführungszeichen, rausreden, dann kann das sehr nach hinten losgehen. Denn nehmen wir mal an, es würde auf eine psychische Erkrankung hinauslaufen, dann kann man auch gegen den Willen des Betroffenen behandeln. Und wie lange die Behandlung aussehen wird, das ist dann nicht festgelegt. Deswegen werden, und davon kann man ausgehen, immer alle Beteiligten versuchen es, so genau wie es irgend geht, tatsächlich abzubilden.
45:04
Also sich mit einer Impulskontrollstörung sozusagen rausreden zu wollen oder sich dadurch Strafmilderung zu erhoffen, klappt nicht so gut.
45:14
Wenn es dabei rauskäme, wird die Strafe als Strafe sicherlich reduziert. Das bedeutet aber nicht, dass man zum Beispiel dadurch frei käme. Dann werden ja andere Maßnahmen ergriffen, beispielsweise je nachdem, was passiert ist. Da kann es eben passieren, dass man in die forensische Psychiatrie kommt.
45:32
Das ist eine Psychiatrie für psychisch kranke Rechtsbrecher. Und tatsächlich, und jetzt kommen wir vielleicht dazu, kann man sagen, dass es sich behandeln lässt. Auch diese schwere Form der Impulskontrollstörung lässt sich behandeln und bessert sich dadurch deutlich. Im weiteren Schluss führt uns das natürlich dazu, dass auch wir, wenn wir Schwierigkeiten haben mit unseren Impulsen, dass wir die beeinflussen können.
45:57
Okay, also wir haben jetzt einen großen Bogen gemacht von den Momenten, in denen wir uns selber auf den Keks gehen oder selber so ein bisschen uns kopfschüttelnd gegenüberstehen oder uns vielleicht ärgern und denken, warum habe ich das gemacht? Wir haben einen kleinen Schlenker gemacht über die psychischen Störungen, wo Impulse auch eine Rolle spielen können. Hin zu der Restkategorie Impulskontrollstörung. Wir haben erwähnt, was da nicht mehr reingehört, nämlich weder Glücksspiel noch Trichotillomanie. Das ist keine Impulskontrollstörung mehr.
46:30
Und jetzt kommen wir dazu wieder zurück zu unseren eigenen kleinen Lästigkeiten im Alltag. Was kann ich denn machen, um bestimmte Impulse besser zu kontrollieren?
46:41
Am Anfang steht ja immer das Erkennen. Also, wenn ich Handlungen zeige, spontane Handlungen zeige, von denen ich weiß, dass sie nicht das sind, was ich eigentlich will oder dass sie zu Leidensdruck führen, im weitesten Sinne, dann diese Handlung benennen. Ich bin zu oft am Handy. Ich kaufe zu viel oder das, was ich nicht will. Oder auch, ich gehe zu schnell hoch. Dann ist der erste Schritt immer, das isoliert zu benennen. Das und das passiert mir dann und das will ich nicht. Und es ist nicht nur so, dass diese Distanz, die wir durch Denken dadurch schaffen, hilfreich ist, sondern wir brauchen das auch, um die sogenannten Wenn-Dann-Pläne vorzubereiten.
47:22
Ich bin nicht mehr so impulshaft, wenn ich vorher schon weiß, was ich tue, wenn das und das passiert. Ich kann mir einen Plan zurechtlegen. Ich kann mir zurechtlegen, dass... Wenn mein Mitbewohner die Zahnpastatube wieder zerknüttelt falsch hingelegt hat und ich normalerweise immer einen Schrei loslasse, dass ich das dann nicht tue, sondern dass ich ihn dann rufe oder etwas sage oder einen Zettel schreibe. Ich brauche vorher schon einen Plan. Ich brauche vorher einen Plan. Was mache ich, wenn?
47:54
Und das bedeutet auch, wenn ich weiß, ich bin dann und dann zu lange am Handy, dass ich mir einen Plan mache, wann ich es weglege.
48:01
Ja, über Wenn-Dann-Pläne haben wir schon ein paar Mal gesprochen. Letztlich bedeutet das, dass man sich selber dahingehend ganz gut kennenlernt, dass man beleuchtet, wie reagiere ich bisher, was möchte ich stattdessen machen und sich exakt dafür, wie du sagst, ein Wenn-X-Dann. dann Y-Plan vorher möglichst intensiv ausmalt, damit man nicht in der Situation selber oder während der Handlungsimpuls schon vorbereitet wird, anfängt innerlich zu hampeln und zu versuchen, das zu stoppen, sondern dass man schon in der auslösenden, ich nenne das jetzt Appetenz-Situation, idealerweise weiß, ah, das ist jetzt also X, also mache ich jetzt Y und nicht den bisherigen Impuls Z, nämlich losschreien, hupen
48:51
Oder in deinem Fall mit der Motorsäge loslegen. Das heißt, wenn du zur Motorsäge greifst, kommst du kurz vorher zu mir, dass ich dir die Ohrstöpsel oder Kopfhörer gebe und dann machst du sie an. Okay? Motorsäge bedeutet erst zum Christian gehen.
49:07
Nicht in Flipflops Bergsteigen gehen, solche Sachen. Zum Beispiel. Na gut, ja, also wenn, dann Pläne sind so ein Ding. Und jetzt, ich bin natürlich Verhaltenstherapeutin, natürlich komme ich jetzt mit meinem zweiten Tipp, Stimuluskontrolle nennt sich das. Also, dass ich es mir natürlich auch leicht mache, bestimmten Impulsen gar nicht erst ausgesetzt zu sein, kann ja auch schon mal ganz nützlich sein. Ich muss immer lachen, weil so besonders als willensstark geltende Menschen haben häufig nur einen einzigen Trick. Sie setzen sich allerlei Versuchungen gar nicht erst aus.
49:41
Ja, und das ist kein Cheaten. Das fühlt sich manchmal so an, aber nein.
49:45
Ja, aber guck mal, zum Beispiel, wenn du als Mönch alle möglichen Dinge als Todsünde bewertest und dich von allen möglichen Dingen fernhalten musst und du sollst keine sexuellen Impulse haben und du sollst keine lüsternden Impulse haben und du sollst Appetit zügeln und nicht neidisch sein und was du alles nicht darfst, dann ist es ja ganz praktisch, dass du in einer Abtei lebst, ohne Kontakt zur Außenwelt.
50:09
Wo alle anderen in langen, grauen Kutten sogar mit Kapuze rumlaufen.
50:13
Genau, das ist Stimuluskontrolle bis hinten gegen und dass man da nicht in Versuchung gerät, ist ja dann auch kein Kunststück.
50:22
Nicht mehr so ein großes. Das soll jetzt gar nicht despektierlich sein, aber es ist ein ganz gutes Beispiel.
50:27
Ja, was ich damit ja nur meine ist, wenn du einen Impuls hast, zum Beispiel nachts zu essen. Übrigens kann nachts essen auch noch alle möglichen anderen Ursachen haben. Aber ich nehme das jetzt mal als Beispiel für einen Impuls, den man gerne besser kontrollieren würde. Dann ist es natürlich super hilfreich, einfach gar nicht erst Chips und Nüsschen da zu haben. Das ist jetzt super banal, aber ich habe mit so vielen Menschen in der Praxis genau das immer und immer wieder besprochen, dass es wirklich leichter ist, diesen Impuls noch im Supermarkt vielleicht in den Griff zu bekommen, als abends halb zwölf müde auf der Couch.
51:04
Besser hast du die Chips schon im Supermarkt abgewehrt.
51:08
Da hast du vielleicht den Impuls auch gerade nicht. Da ist er ja nicht da.
51:10
Ja, genau so. Also sowas einfach mal mitzudenken. Und ich hatte auch mal eine Patientin, die hatte so eine Tiefkühltruhe und so einen Kühltrank im Keller und einen in der Küche. Und sie hat einfach den in der Küche für eine Zeit lang ausgestöpselt und außer Betrieb genommen, sodass sie für alles Essen in den Keller gehen musste.
51:31
Ja, genau.
51:32
Sowas ist natürlich ein bisschen hardcore, aber je nachdem, wie doll man seine eigenen Impulse störend findet, kann man das machen.
51:40
Ja, weil dir durchaus das Ergebnis zählt. Also nicht so wichtig in meinen Augen ist es, stolz darauf zu sein, widerstanden zu haben, denn das ermüdet einen übrigens auch, sondern es ist wichtig, was hinten bei rauskommt.
51:54
Ja, und mach es dir doch leicht.
51:55
Und wenn du unangenehme Süßigkeiten, Impulse spürst und nicht widerstehen kannst, dann habe keine Süßigkeiten im Haus, sagst du, sondern nur Mehl, Zucker und etwas Kakao.
52:07
Back dir was.
52:08
Dann musst du was backen. Und wenn du das dann machst, dann bist du über die Impulshandlung im Grunde schon hinaus. Und da schließt sich auch Tipp Nummer drei an. Das ist nämlich die Verzögerung.
52:19
Ja, genau. Ich bin ja überhaupt gar nicht der Typ, für irgendwas zu verbieten. Weil ich weiß, dass Verbieten ja häufig auch Reaktanz erzeugt. Und außerdem sind wir alle erwachsen. Also jedenfalls du und ich, wir sind erwachsen. Unsere Patientinnen und Patienten sind auch erwachsen. Die sind nämlich alle über 18. Also wer bin ich, irgendwas zu verbieten? Und ich finde es auch nicht günstig, wenn Menschen mit sich selber so umgehen, dass sie sich Sachen verbieten oder sanktionieren. Aber dass man sich das Lassen leicht machen kann und das neue Tun auch leicht machen kann, das ist ja eine gute Idee.
52:52
Also ich würde gar nicht sagen, hab nie Süßigkeiten da, aber halt sie halt nicht griffbereit. Oder so wie du sagst, iss ruhig Kekse, aber weißt du was, back sie dir halt vorher selbst.
53:02
Denn das bringt zwischen Impuls und Effekt die notwendige Zeit. Und das funktioniert an anderer Stelle natürlich auch. Was auch immer du für einen Impuls spürst, sag, okay, ich gebe dem nach, aber jetzt nicht. In zehn Minuten. Ich mache das in zehn Minuten.
53:18
Das ist für Menschen auch manchmal hilfreich, die zum Beispiel zu so impulshaftem Einkaufen neigen, dass sie das nicht sich verbieten oder sich selber beschämen oder sowas, sondern dass sie sagen, ach, ich lege das jetzt in den Einkaufswagen, also damit meine ich jetzt den virtuellen Einkaufswagen und dann warte ich mal, ob ich das morgen oder übermorgen immer noch möchte. Oder ich gehe zur Kasse, ich lasse es mir zurücklegen und dann warte ich mal ab, ob ich das morgen oder übermorgen immer noch möchte. Da bin ich nicht irgendwie streng mit mir und packe nicht das innere Fräulein Rottenmeier aus, aber ich verschaffe mir Zeit, um darüber hinwegzukommen, sollte es wirklich nur ein spontaner Kaufimpuls gewesen sein, den ich hinterher gar nicht mehr so dringlich empfinde.
54:02
Und das funktioniert sogar bei Sachen wie Schimpfen oder stark verletzende Repliken, also Antworten zu geben.
54:09
Ja.
54:10
Man kann sich die Sekunde ausbitten, wenn es schlimm ist, den Raum verlassen oder sagen, wir machen hier in fünf Minuten an der Stelle weiter oder ich sage dir, was ich denke, in fünf Minuten und macht es für sich selber und guckt, ob man das in fünf Minuten noch genauso raushauen würde.
54:25
Ich bin da inzwischen gut geworden, finde ich.
54:28
Verglichen mit dir früher.
54:30
Ja. Ja.
54:32
Gar nicht so sehr schimpfen, aber zum Beispiel WhatsApp einfach mal so raushauen.
54:36
Ja, da hilft es zum Beispiel, die zu schreiben. Aber nicht wegschicken. Ja, in den Notizen oder sonst wo zu speichern und dann in fünf oder zehn Minuten zu überlegen, bis jetzt noch so schreibe. Also verzögern ist Tipp Nummer drei.
54:50
Viertens, das ist ein Tipp, den viele Leute wirklich unterschätzen und auch den haben wir schon mal ausführlicher besprochen und das ist der Tipp Name it to tame it. Benenne es, um es zu zügeln oder in den Griff zu bekommen. Und wenn du zum Beispiel einen wütenden Impuls hast und im Straßenverkehr jetzt komplett ausrasten möchtest oder auf der linken Spur mit der Lichthupe unterwegs bist, atme mal durch und benenn mal, was eigentlich gerade in dir los ist.
55:21
Emotionen zu benennen macht sie beherrschbarer und man kann das sogar ein bisschen physiologisch begründen, weil die Konzentration darauf, das passende Wort zu finden für die Emotionen, die man gerade so aufwallend spürt, das ist eine kognitive Leistung. Das bindet auch ein bisschen kognitive Energie und bemüht, den Kortex und kitzelt Netzwerke wach, die gleichzeitig helfen bei der Hemmung.
55:51
Das ist eine sogenannte Top-Down-Regulation. Unsere Wut entsteht in und um die Amygdala herum, vereinfacht ausgedrückt. Und unsere Hemmung, wie auch unser Denken eher im präfrontalen Kortex. Und unser präfrontaler Kortex kann die Amygdala beeinflussen, von oben nach unten, top down.
56:10
Dazu muss ich den präfrontalen Kortex aber erstmal anschmeißen. Und das ist genau das, was du sagst. Ist das Denken einmal dabei, fällt es ihm auch leichter zu regulieren. Außerdem als Nebeneffekt wirkt das deeskalierend und hilft dir trotzdem, deine Gefühle mitzuteilen. Dein Gegenüber soll ja vielleicht wissen, dass du wütend bist. Es reicht häufig, es zu sagen.
56:29
Genau, anstatt es auszuagieren oder einem Impuls stattzugeben, der einem hinterher vielleicht auch unglaublich leid tut.
56:38
Ein nächster Rat wäre, ein Protokoll zu führen. Auch das ist weitlich unterschätzt. Häufig haben wir unsere schwachen Momente an ungefähr ähnlichen Stellen im Leben. Wir wissen aber nichts davon. Sowas geht uns unter. Es geht uns unter, ob das ein Moment war, der am Anfang des Tages war oder am Ende oder mit wenig Schlaf oder mit viel oder ob ich einen Tag vorher Alkohol konsumiert habe oder... ob ich gerade wenig gegessen habe.
57:08
Oder immer sonntags oder immer, wenn die drei Söhne noch sechs Kinder zum Spielen da haben.
57:15
Oder ob ich gerade ein Telefonat mit meiner Schwiegermutter hatte.
57:18
Oder prämenstruell unterwegs bin. Es ist nützlich, sich den Kontext bewusst zu machen und dann eben auch diese Kontextvariablen, wenn man kann, so ein bisschen mit zu berücksichtigen. Man kann sich ja 10.000 Mal den Vorsatz vorstellen, fassen, nicht zu meckern oder nichts zu konsumieren oder nicht auszuflippen, wenn man sich über die Auslöser gar keine Gedanken gemacht hat oder jedenfalls die mitbegünstigenden Bedingungen
57:47
Also ganz konkret, wenn man immer wieder Impulse bereut, dann hinschreiben, was war. Spätestens in dem Moment, wo man das bereut, hinschreiben, was ist heute für ein Wochentag, wie viel Uhr ist es, was habe ich gegessen, mit wem war ich zusammen, mit wem habe ich gesprochen, was waren die äußeren Umstände. Möglichst viele äußere Umstände hinschreiben. Und wenn man das mal zwei, drei, vier Wochen gemacht hat, in den meisten Fällen ergibt sich ein Muster.
58:13
Und das Gleiche gilt auch für den sechsten Tipp, dass man die körperlichen Hebel nutzt, die man hat. Und die hatten wir schon genannt. Impulse lassen sich wesentlich besser kontrollieren, wenn man ausgeschlafen ist, wenn man nicht alkoholisiert oder sonst wie eingetrübt ist, wenn man nicht gerade super hungrig ist und wenn man körperlich auch ein bisschen ausgelastet ist. Das ist etwas, so banal das eigentlich ist, das wird vergessen.
58:41
Und da sind Menschen ganz unterschiedlich. Es gibt beispielsweise interindividuell verschiedene Bewegungsdränge. Also den Drang, sich einfach zu bewegen. Wir haben den irgendwie alle. Mit dem Alter lässt es für gewöhnlich immer mehr nach, aber wir haben den. Das spüren wir übrigens, wenn wir nach längerer Zeit der Untätigkeit mal wieder spazieren waren oder Fahrrad fahren oder irgendwas gemacht haben und sind dann zu Hause, kommen dann an, an dem ausgeglichenen, leicht erschöpften Gefühl, was wir haben. Da merken wir häufig, wie uns das gefehlt hat.
59:13
Also wir haben alle diesen Bewegungstrang und wenn der nicht ausgelebt wird, werden wir dünnhäutiger und neigen mehr zu solchen Impulsdurchbrüchen.
59:21
Und der siebte und letzte Tipp bezieht sich nochmal auf dieses Schamgefühl oder das hinterherige Bereuen. Ganz abgekürzt könnte man ja sagen, wer sich selber nach jedem Impulsdurchbruch auch noch ordentlich fertig macht und auch noch ordentlich auf sich selber drauf tritt, bereitet dadurch womöglich schon den nächsten Impulsdurchbruch wieder vor. weil er eben eine unausgeglichene Stimmungslage begünstigt und eine emotionale Schieflage noch befeuert. Günstiger wäre es vielleicht, dass man anstatt jetzt in so eine Charakterabwertung zu verfallen, mal ernsthaft eine Verhaltensanalyse probiert mit den ganzen Tipps, die wir gerade schon genannt hatten.
59:59
Also zu gucken, wie hoch war meine Anspannung, wodurch wurde das begünstigt, was war der konkrete Auslöser, was hätte ich laut Wenn-Dann-Plan eigentlich lieber, also was für eine Reaktion würde ich mir von mir gewünscht haben, wie kann ich das beim nächsten Mal anders sicherstellen, dass es mir gelingen kann, diesem Impuls nicht stattzugeben. Das wäre ein konstruktiverer Umgang damit und einer, der nachweislich nicht gleich wieder den nächsten Impuls befeuert.
60:30
Für alle vor allem, die nicht betroffen sind, das bedeutet nicht, dass man jede Handlung nicht auch schlecht bewerten darf.
60:35
Ja klar, man kann das vollkommen kacke finden, was man jetzt gemacht hat, aber dabei sollte man es idealerweise halt echt auch nicht bewenden lassen. Wenn das die einzige Maßnahme ist, dass es einem hinterher leidtut, hat man halt nichts verändert.
60:48
Und weil es sich gerade so gut eignet, ganz allgemeiner Tipp, immer auch an sich selber das Verhalten kritisieren, nicht den Charakter. Keine Globalabwertung, sondern nur eine konkrete Kritik.
61:00
Ja, und da muss man aber klar sagen, und ich höre jetzt schon die eine oder den anderen aufjaulen, zu Recht, das hat natürlich Grenzen, wenn die Impulsdurchbrüche so sind, dass es andere Menschen schädigt, dass andere Menschen in Angst versetzt sind. dass große Geldsummen draufgehen, sodass die Lebenssicherungen vielleicht nicht mehr gewährleistet sind, wenn irgendwas strafrechtlich relevant ist, wenn irgendwas so ist, dass man sich massiv dafür schämt und das in aller Heimlichkeit macht, weil man weiß, dass es vollkommen indiskutabel ist, was man hier tut, dann sind das vielleicht alles Dinge, die dann doch auch mal von einer Fachperson beguckt gehören.
61:46
Dann ist das nicht mit sieben Tipps aus dem Podcast getan. Das muss man klar sagen.
61:51
Wenn jemand offensichtlich seine Impulse so gar nicht im Griff hat, dann muss es in dem Rahmen Konsequenzen geben. Und es ist eher günstig, wenn ein psychisches Problem dahinter steckt, denn dann gibt es Behandlungsoptionen.
62:06
Und nur der Vollständigkeit halber, es gibt auch den Umstand, dass Menschen nicht zu wenig ihre Impulse kontrollieren, sondern am anderen Ende des Spektrums, im anderen Extrem, gibt es natürlich auch Menschen, die da unterwegs sind. Und auch das kann gesundheitsbedrohlich, sogar lebensbedrohlich werden. Und da denke ich zum Beispiel... an die restriktive Anorexie oder auch Menschen, die ganz, ganz anhedonistisch sind und sich teilweise auch Dinge selber verwehren, die ihr Leben eigentlich schöner und leichter machen könnten.
62:39
Ich denke an Menschen, die sehr, sehr perfektionistisch sind und sich überhaupt nur etwas gönnen oder erlauben, wenn sie Höchstleistung abgeliefert haben. Auch all das, also Impulse viel zu krass zu kontrollieren, kann krankheitswertig sein.
62:55
Also Franka, wie so häufig, der Segen liegt eher in der Mitte. Wir freuen uns, wenn ihr bis jetzt drangeblieben seid und wir freuen uns, wenn ihr mitgenommen habt, dass unser ganzer Tag eigentlich aus vielen hundert kleinen Impulsen besteht und wir wie über ein extremes Kopfsteinpflaster hoppeln und versuchen das abzufedern.
63:12
Impulse sind normal, aber sie hemmen zu können oder jedenfalls die meisten davon ist für ein verträgliches Miteinander absolut notwendig.
63:22
Wenn jemand plötzlich und im späteren Lebensalter sich sehr impulshaft zeigt und eher ungewöhnliche und auch unangenehme Handlungen vollführt, ist Achtung geboten, das gehört untersucht.
63:34
Genauso wie wenn die schlecht zu kontrollierenden Impulse vielleicht in einem größeren Kontext zu sehen sind und noch andere Symptome dazukommen, so wie eben zum Beispiel bei einer bipolaren Störung, einer emotional instabilen Störung, bei ADHS und so weiter.
63:49
All diese Gründe sind gut behandelbar. Wenn du dir aber vor allen Dingen selber immer mal ein bisschen auf die Nerven gehst und dich daran störst, dass Impulse durchkommen, wo du gar nicht willst, dann versuchst du es einfach mal mit unseren sieben Tipps.
64:03
Mach wenn-dann-Pläne, kontrolliere deine Umgebung, sorg für eine Verzögerung, benenne, was dich emotional gerade umtreibt, verfass mal ein Protokoll, wann es immer wieder zu diesen Impulsen kommt, nutz alle körperlichen Hebel, die du hast und ergeh dich nicht in Scham, auch wenn es richtig Mist war, versuch es konstruktiv anzugehen.
64:25
Wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen teilt, wenn ihr uns sagt, ob irgendetwas davon für euch gut funktioniert und wenn wir wie immer über das Thema auf Instagram in Kontakt bleiben. Wenn ihr ganz allgemeine Fragen zu psychischen Phänomenen oder Erkrankungen oder Störungsbildern habt, wir haben einen Anrufbeantworter. Den Link schreiben wir euch unten in die Shownotes.
64:49
Für heute sagen wir herzlichen Dank. Macht, was euch Spaß macht. Macht, was euch freut. Und seid nicht zu streng mit euch. Wir hören uns nächsten Sonntag wieder.
64:58
Tschüss!